Erste Schritte für Betroffene

Wenn Sie von Bossing betroffen sind, fühlt sich vieles gleichzeitig dringend an. Und trotzdem scheint jeder Schritt riskant. Das ist normal. Sie müssen nicht alles auf einmal lösen. Die folgenden Schritte helfen Ihnen, wieder handlungsfähig zu werden: in Ihrem Tempo, ohne dass Sie sich sofort festlegen müssen.


Verschaffen Sie sich zuerst Klarheit: Was erleben Sie? Einen Konflikt, der sich lösen lässt, oder systematische Schikane? Diese Unterscheidung ist wichtig, weil sie bestimmt, welche Wege sinnvoll sind. Unser Selbsttest gibt Ihnen eine erste Einordnung, und auf der Themenseite Bossing finden Sie die typischen Verhaltensmuster beschrieben. Vertrauen Sie dabei auch Ihrer Wahrnehmung: Wenn Sie sich über Wochen unwohl, kleingemacht oder ausgegrenzt fühlen, ist das ein ernstzunehmendes Signal, unabhängig davon, wie andere es bewerten.

Beginnen Sie so früh wie möglich, Vorfälle schriftlich festzuhalten. Ein solches Tagebuch hat zwei Funktionen: Es hilft Ihnen, Muster zu erkennen und der eigenen Wahrnehmung zu trauen. Und es wird wichtig, falls Sie später eine Beschwerde einreichen oder rechtliche Schritte prüfen. Dann zählen konkrete, datierte Vorfälle mehr als allgemeine Eindrücke.

Notieren Sie zu jedem Vorfall: Datum und Uhrzeit, Ort, was genau gesagt oder getan wurde, wer beteiligt oder anwesend war und wie es sich auf Sie ausgewirkt hat. Bewahren Sie zudem relevante E-Mails und Nachrichten auf, die an Sie gerichtet sind.

Eine Vorlage für das Tagebuch finden Sie hier.

Bossing wirkt, weil es isoliert. Viele Betroffene schämen sich, obwohl sie nichts falsch gemacht haben, und behalten die Situation lange für sich. Sprechen Sie mit einer Person, der Sie vertrauen: im Privatleben, vielleicht auch mit einer Kollegin oder einem Kollegen, die Vorfälle miterlebt haben. Es geht in diesem Schritt nicht darum, etwas zu unternehmen. Es geht darum, nicht mehr allein damit zu sein.

Schlafstörungen, Erschöpfung, Anspannung, Niedergeschlagenheit: Wenn sich die Situation auf Ihre Gesundheit auswirkt, warten Sie nicht zu. Suchen Sie Ihre Hausärztin oder Ihren Hausarzt auf und schildern Sie offen, was Sie am Arbeitsplatz erleben. Das ist kein Eingeständnis von Schwäche. Es schützt Sie und dokumentiert zugleich, was die Situation mit Ihnen macht. Auch psychologische Unterstützung kann in dieser Phase sehr entlastend sein.

Sie müssen diesen Weg nicht allein gehen. Beratungsstellen, Gewerkschaften, Rechtsberatungen und medizinische Fachpersonen kennen solche Situationen und können mit Ihnen die nächsten Schritte planen: vertraulich und ohne dass Sie sich zu etwas verpflichten. Eine Übersicht geeigneter Stellen finden Sie hier.

Kein Schritt auf dieser Seite muss heute passieren. Schon dass Sie sich informieren, ist ein Anfang. Gehen Sie in der Reihenfolge und im Tempo vor, das für Sie stimmt. Und holen Sie sich Unterstützung, bevor die Kraft ausgeht, nicht erst danach.