Folgen von Bossing

Bossing ist kein harmloser Konflikt, der sich von selbst erledigt. Wer über Wochen oder Monate von der eigenen Führungskraft schikaniert wird, trägt Folgen davon: gesundheitlich, beruflich und privat. Und die Auswirkungen enden nicht beim Einzelnen. Sie treffen Unternehmen, Sozialversicherungen und letztlich die ganze Gesellschaft. Die Zahlen dazu sind seit Jahren bekannt.


Folgen für Betroffene: Wenn Arbeit krank macht

Die gesundheitlichen Auswirkungen von Mobbing und Bossing sind gut dokumentiert. Die erste gesamtschweizerische Mobbing-Studie im Auftrag des Staatssekretariats für Wirtschaft (SECO) zeigte: Fast jede zweite gemobbte Person leidet unter Niedergeschlagenheit und Depressionen; bei den Nicht-Gemobbten ist es nur etwa jede siebte. Magenbeschwerden treten bei Gemobbten doppelt so häufig auf, und sie gehen deutlich öfter zum Arzt und fehlen häufiger am Arbeitsplatz.

Hinzu kommen Schlafstörungen, Erschöpfung, Ängste und das ständige Gedankenkreisen um die Arbeit. Viele Betroffene beschreiben, dass die Anspannung auch abends, am Wochenende und in den Ferien nicht mehr abfällt.

Beruflich steht die Existenz auf dem Spiel: Konzentration und Leistung sinken unter dem Dauerdruck, was wiederum den Angriffen scheinbar recht gibt. Die SECO-Studie hält fest, dass Mobbing ein häufiger Grund für Stellenwechsel ist. Manche Betroffene werden über lange Zeit krankgeschrieben, andere kündigen ohne Anschlusslösung oder verlieren ihre Stelle. Und weil die Belastung nicht am Arbeitsplatz endet, leiden auch Partnerschaft, Familie und Freundschaften mit.

Wenn Sie das gerade erleben: Es liegt nicht an Ihnen. Diese Reaktionen sind normale Folgen einer unnormalen Situation.


Folgen für Unternehmen: Der stille Schaden 

Für Unternehmen ist Bossing teuer, auch wenn die Kosten selten als solche ausgewiesen werden. Sie entstehen durch Absenzen, durch Präsentismus (Anwesenheit bei reduzierter Leistungsfähigkeit), durch Fluktuation und den Verlust von Wissen und Erfahrung. Die SECO-Studie zeigt zudem, dass neu eingetretene Mitarbeitende doppelt so häufig über Mobbingerfahrungen am früheren Arbeitsort berichten wie andere Beschäftigte. Mobbing treibt Menschen also messbar aus den Betrieben.

Dazu kommt der Schaden, der sich schwer beziffern lässt: Ein Klima der Angst lähmt ganze Teams, auch jene, die nicht direkt betroffen sind. Und wird ein Fall öffentlich, etwa vor Gericht, leidet der Ruf des Unternehmens (SECO).


Folgen für Wirtschaft und Gesellschaft

Wie verbreitet ist das Problem? Gemäss der SECO-Studie leiden je nach Bestimmungskriterium 4,4 bis 7,6 Prozent der Erwerbstätigen in der Schweiz unter Mobbing. Besonders relevant für das Thema Bossing: In 51 Prozent der Fälle waren Vorgesetzte die Täter, deutlich mehr als Kolleginnen und Kollegen (16 Prozent). Mobbing am Arbeitsplatz ist damit mehrheitlich ein Führungsproblem.

Neuere Zahlen bestätigen den Handlungsbedarf: In der europäischen Erhebung über die Arbeitsbedingungen von 2023 gaben 9 Prozent der Befragten in der Schweiz an, durch Belästigung, Mobbing oder Gewalt am Arbeitsplatz belastet zu sein. Ein Wert über dem europäischen Vergleich. Das SECO kündigte deshalb eine Spezialstudie an.

Die volkswirtschaftliche Dimension zeigt der Job-Stress-Index von Gesundheitsförderung Schweiz: Arbeitsbezogener Stress kostet die Schweizer Wirtschaft rund 6,5 Milliarden Franken pro Jahr, verursacht durch krankheitsbedingte Ausfälle und reduzierte Leistungsfähigkeit. Bossing ist einer der gravierendsten Stressfaktoren überhaupt, denn es kombiniert Dauerbelastung mit Ohnmacht. Hinzu kommen Kosten für das Gesundheitssystem und die Sozialversicherungen, wenn Betroffene lange ausfallen oder ganz aus dem Erwerbsleben ausscheiden.

Eine Gesellschaft, die auf faire Arbeit angewiesen ist, kann sich Bossing nicht leisten, weder menschlich noch wirtschaftlich. Genau deshalb braucht es Aufklärung, Prävention und eine unabhängige Anlaufstelle für Betroffene.