So kann Bossing aussehen
Bossing hat viele Gesichter. Die folgenden Beispiele zeigen, wie unterschiedlich es ablaufen kann und wie ähnlich es sich für Betroffene anfühlt. Vielleicht erkennen Sie Muster aus Ihrem eigenen Alltag wieder. Wenn ja: Unser Selbsttest hilft bei einer ersten Einordnung, und unter Erste Schritte finden Sie konkrete Handlungsmöglichkeiten.
Diese Fallbeispiele sind fiktiv. Sie beruhen auf typischen Verläufen, wie sie Betroffene in Foren, Beratungen und Studien schildern. Ähnlichkeiten mit realen Personen oder Unternehmen wären zufällig.

Detailhandel, 29
«Die ersten zwei Jahre ging ich gern zur Arbeit. Dann kam ein neuer Filialleiter, und plötzlich machte ich alles falsch. Als eine Kollegin kündigte, blieb ihre Arbeit komplett an mir hängen. Ich wurde krank, und als ich zurückkam, waren meine geplanten Ferien gestrichen. Begründung: Ich hätte ja gerade frei gehabt. Heute führe ich ein Tagebuch über die Vorfälle. Allein das hat mir geholfen, meiner Wahrnehmung wieder zu trauen.»
Fiktives Fallbeispiel
Pflege, 51
«Zwanzig Jahre auf derselben Abteilung, und auf einmal war ich das Problem. Die neue Stationsleitung teilte mir auffällig oft die unbeliebten Dienste zu und kritisierte mich vor dem ganzen Team. Ich dachte lange, ich sei zu alt geworden für den Job. Erst als eine Kollegin sagte, das habe einen Namen, begann ich zu verstehen: Es lag nicht an meiner Arbeit.»
Fiktives Fallbeispiel
IT, 35
«Es begann schleichend. Ich stand nicht mehr im Verteiler wichtiger Mails, wurde aus Sitzungen ausgeladen, mein grösstes Projekt ging ohne Erklärung an einen Kollegen. Gegenüber der Geschäftsleitung hiess es dann, ich sei nicht teamfähig. Das Perfide: Von aussen sah niemand etwas. Eine externe Beratung hat mir geholfen, die Muster zu erkennen und meine nächsten Schritte zu planen.»
Fiktives Fallbeispiel
Öffentliche Verwaltung, 58
«Sieben Jahre vor der Pensionierung bekam ich einen neuen Vorgesetzten, der mich sichtbar loswerden wollte. Meine Dossiers wurden mir entzogen, stattdessen sollte ich Ablagen sortieren. Zu Sitzungen wurde ich nicht mehr eingeladen. Ich glaube, man hoffte, ich würde von selbst gehen. Mit Unterstützung meiner Gewerkschaft halte ich stand. Aber es kostet Kraft, jeden Tag.»
Fiktives Fallbeispiel
Gastronomie, 24
«Mein Chef schrie mich regelmässig an, auch vor Gästen. Ich dachte lange, das gehöre in der Küche einfach dazu. Aber es traf immer nur mich, und es hörte auch nach Feierabend nicht auf, in meinem Kopf. Irgendwann schlief ich kaum noch. Meine Hausärztin war die Erste, die aussprach, dass mich die Arbeit krank macht. Das war der Moment, in dem ich anfing, mich zu wehren.»
Fiktives Fallbeispiel
Finanzbranche, 42
«Nach dem Mutterschaftsurlaub kam ich mit einem Teilzeitpensum zurück. Meine wichtigsten Kunden waren neu verteilt, und mein Vorgesetzter erzählte im Team, ich sei nicht mehr belastbar. Bei jeder Beförderungsrunde wurde ich übergangen. Inzwischen dokumentiere ich jeden Vorfall mit Datum und Zeugen. Ich weiss noch nicht, wohin der Weg führt. Aber ich gehe ihn vorbereitet.»
Fiktives Fallbeispiel
Logistik, 33
«Ich suchte zweimal das Gespräch mit meinem Chef. Beide Male stritt er alles ab, und danach wurde es schlimmer: unmögliche Fristen, dazu Andeutungen, meine Stelle sei nicht sicher. Heute weiss ich, dass ich mir zuerst extern Rat hätte holen sollen, bevor ich allein in solche Gespräche gehe. Das ist das, was ich anderen Betroffenen am dringendsten weitergeben möchte.»
Fiktives Fallbeispiel
Bildung, 47
«Die Schulleitung schickte mir Kritik neuerdings per Mail, immer mit dem ganzen Kollegium in Kopie. Kleinigkeiten wurden zu Verfehlungen, mein Engagement in Projekten wurde mir als Kompetenzüberschreitung ausgelegt. Ich habe lange geschwiegen, aus Scham. Seit ich mit einer Vertrauensperson im Kollegium offen darüber rede, trage ich es nicht mehr allein. Das ändert nicht alles, aber sehr viel.»
Fiktives Fallbeispiel
Marketing, 27
«Zuerst nahm mir meine Vorgesetzte das Projekt weg, das ich aufgebaut hatte. Dann warf sie mir vor, ich würde nichts leisten. Wenn ich nachfragte, hiess es, ich sei zu sensibel und solle das nicht so persönlich nehmen. Irgendwann zweifelte ich an meinem Verstand. Der Selbsttest war für mich der Wendepunkt: schwarz auf weiss zu sehen, dass das, was ich erlebe, ein bekanntes Muster ist.»
Fiktives Fallbeispiel
Handwerk, 39
«In unserem kleinen Betrieb ist der Chef auch der Inhaber. An wen soll man sich da wenden? Nach Monaten voller Sticheleien und Schikanen wollte ich einfach nur noch weg und hätte fast im Affekt gekündigt. Eine Beratungsstelle hat mich davon abgehalten. Jetzt plane ich meinen Wechsel in Ruhe, zu meinen Bedingungen. Der Unterschied zwischen Flucht und Aufbruch ist riesig.»
Fiktives Fallbeispiel
