Systemische Aufstellung: Toxische Dynamiken erkennen
Belastende Situationen am Arbeitsplatz sind oft mehr als ein Konflikt zwischen zwei Personen. Führungskräfte, Kolleg:innen, Mitwissende, informelle Bündnisse und unklare Zuständigkeiten können dazu beitragen, dass Druck, Ausgrenzung oder Abwertung fortbestehen.
Die systemische Aufstellung hilft Ihnen, eine konkrete Arbeitssituation aus Distanz zu betrachten. Mit Figuren und Karten können Sie Beteiligte, wiederkehrende Verhaltensweisen, Einflusswege und mögliche Ressourcen sichtbar machen. So lässt sich die eigene Situation besser einordnen und ein nächster, sicherer Schritt vorbereiten.
Das Arbeitsmaterial enthält ein Arbeitsblatt zur eigenen Aufstellung, eine Anleitung für die Selbstreflexion, Rollen- und Ereigniskarten zum Ausschneiden sowie eine Sicherheitskarte und Hinweise zur digitalen Sicherheit.
Laden Sie das Tool kostenlos herunter, drucken Sie es beidseitig aus und schneiden Sie die Karten entlang der Schnittkanten aus. Für die Aufstellung benötigen Sie zusätzlich Papier und Stifte, Post-its oder kleine Gegenstände.

Warum ein systemischer Blick hilft
Mobbing und Bossing entstehen in einem sozialen und organisatorischen Umfeld. Neben der direkt handelnden Person prägen auch Kolleg:innen, Führungskräfte und weitere Anwesende die Dynamik: Sie können Betroffene unterstützen und schützen, sich aus Unsicherheit zurückziehen, wegsehen oder abwertendes Verhalten verstärken. Die Forschung zu Mobbing am Arbeitsplatz zeigt, dass Zeug:innen deshalb keine blossen Aussenstehenden sind. Welche Rolle sie einnehmen, hängt unter anderem von Machtverhältnissen, Teamkultur, Führung und der wahrgenommenen Sicherheit im Arbeitsumfeld ab.
Die systemische Aufstellung erweitert den Blick über den einzelnen Konflikt hinaus. Sie kann Beziehungen, Informationswege, Loyalitätskonflikte, Machtverhältnisse und mögliche Unterstützungsquellen sichtbar machen. Die verwendeten Rollen sind Arbeitsbegriffe: Sie beschreiben mögliche Funktionen innerhalb einer Dynamik, nicht den Charakter, die Persönlichkeit oder eine psychische Erkrankung einer Person.
Das Arbeitsmaterial wurde von Heidrun Föhn entwickelt und gestaltet. Es wird zur freien Nutzung und Weitergabe bereitgestellt; eine kommerzielle Nutzung ist nicht erlaubt.
Wichtiger Hinweis
Die systemische Aufstellung dient der persönlichen Reflexion und ersten Orientierung. Sie ist kein diagnostisches Verfahren und keine Beweismethode. Sie ersetzt keine rechtliche, medizinische, psychologische oder arbeitsrechtliche Beratung. Sie bilden damit Ihre erlebte Dynamik ab – nicht die objektive Wahrheit über andere Menschen. Arbeiten Sie daher mit konkreten Beobachtungen und vorläufigen Hypothesen, nicht mit Diagnosen oder Annahmen über Absichten. Im Mittelpunkt stehen Ihre Sicherheit, Selbstbestimmung und die Frage, was Sie jetzt brauchen.
Bei akuter Gefahr, Gewalt, Stalking, Drohungen oder Angst vor Eskalation planen Sie keine Konfrontation mit diesem Arbeitsmaterial. In der Schweiz: Polizei 117, medizinischer Notfall 144, Opferhilfe-Hotline 142.
